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Berbeke 1273

Im "Kieler Stadtbuch aus den Jahren 1264 - 1289" (hsg. Dr. P. Hasse, Kiel 1875) wird zum ersten Male der Ort Berbeke erwähnt und auch sein erster bekannter Einwohner, eine Frau. Die Entstehung Kiels fällt in die Jahre 1233 - 1242. Das Kieler Stadtbuch stammt somit aus einer Zeit, als Kiel noch nicht einmal ein Menschenalter erreicht hatte. Es ist ein Pergamentcodex von 21 cm Höhe und 15 cm Breite mit braunem Ledereinband und einer übergreifenden Schnippe. Die Texte sind in Vulgärlatein verfasst.

Unter der Nummer 267. findet sich folgender Text: " Ego Margareta de Berbeke vendidi domum meam et predium meum situm in platea Flemiggi in quo habitant illi de Holtorpe Timmoni de Wilthorpe sibi libere resignatus." Die Jahreszahl wird unter der Eintragung 265 mit 1273 angegeben. Im Text geht es um die Aufhebung eines Verkaufsangebotes eines Hauses und Grundstückes in der Gasse der Flemigger.

Berbeke und seine Ritter im Mittelalter

Aufgrund seines Namens (der namengebende Bach hieß früher Berbek, was "Bärenbach" bedeutet), seiner Lage an einer wichtigen Furt des durch eine vorgeschichtliche Grabhügelkette gekennzeichneten Handels- und Heerweges in Ost-West-Richtung und seiner Flurformen mit parkettartig verschachtelten Streifenfluren ist mit dem Dorf Berbeke eine altsächsische Siedlung zu identifizieren. Sie gehörte im nordelbischen Siedlungsgebiet der Sachsen zum Kirchspiel Kellinghusen und hierin zum Holstengau. Bei durchschnittlich 5 Köpfen je Hufe (die Größe einer Hufe umfaßt etwa das Land, das an einem Tag gepflügt werden konnte) kann man um 1300 ca 50 Einwohner in Berbeke annehmen.

Mit der Eroberung durch die Karolinger (809 wird in den fränkischen Annalen die Erbauung des Kastells Esesfelth - das heute zu Itzehoe gehört - an der Stör gemeldet) trat schrittweise an die Stelle der sächsischen Stammesverfassung das fränkische Lehnswesen.

Eine durch Standesgrenzen geschiedene Sozialstruktur, wie sie die neue fränkische Rechtsordnung voraussetzte, gab es in Holstein in sächsischer Zeit und bis ins 13. und 14.Jahrhundert hinein anscheinend noch nicht, folglich auch keinen Adel wie im südelbischen Bereich. Möglicherweise gab es jedoch eine Unterscheidung in "hovelude" und "huslude" (Carstens: "Untersuchungen zur Geschichte des Adels und des adeligen Gutes in Holstein im Mittelalter", ZSHG 63, S. 66ff). Neben dem größeren bäuerlichen Besitz unterschieden sie sich in der Höhe des wergeld (dies wurde fällig als Buße für einen Erschlagenen, um die Blutrache zu verhindern) und unterschiedlichen Eideswert als Zeugen vor Gericht (die sächsischen Vollgerichte als Goding und Lotding wurden erst spät durch fränkische Schöffengerichte ersetzt).Neben der weiterhin bestehenden grundsätzlichen Dienstpflicht aller Bauern (im Falle eines allgemeinen Aufrufs durch den Landesherren) hatte jede Gemeinde 1 bis 2 Berittene mit qualifizierten Waffen für die Heeresfolge zu stellen. Dieser hoveman oder diese hovelude waren von der Bede, der gräflichen Abgabepflicht, und weiteren Diensten (Hand- und Spanndiensten) befreit. Der husman oder die huslude hatten Bede zu entrichten und Fußdienst zu leisten. Einen guten Einblick hierzu gibt die zeitgenössische Vision des Gottschalk von 1188.

Die hovelude hatten auch die Verpflichtung, einen befestigten Hof zum Schutz der Siedlung zu errichten. Im 11. und 12. Jahrhundert setzte sich allmählich ein neuer Burgentyp durch, die "Motte", auch Turmhügelburg oder Burghügel genannt. Sie war in kurzer Zeit zu errichten und kaum einnehmbar. In Schleswig-Holstein sind weit mehr als 150 Plätze im Gelände entdeckt worden, wo solche Motten errichtet wurden, darunter auch in Berbeke (Karl W. Struve: "Probleme der Burgernforschung im frühgeschichtlichen Holstengau" 1965).

Noch heute kann man auf der Luftbildaufnahme des Dorfkernes von Mühlenbarbek (Barbek) die Lage der Turmhügelburg durch den halbkreisförmigen Straßenverlauf und die Erhöhung des Hofplatzes deutlich ausmachen (Aufnahme von 1997).

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts war die holsteinische Reiterei, die "virtus Holzatorum" unter Führung des overboden, in der Abwehr und in den Eroberungskriegen gegen die Slawen jenseits des limes saxorum von entscheidender Bedeutung. Führend waren hierbei tatsächliche Rittergeschlechter, deren ursprüngliche Herkunft etwa aus dem Bauerntum nicht nachweisbar ist. Ihr standespflichtiger Dienst am Hofe des Landesherren war mit der Bewirtschaftung ländlichen Besitzes auch kaum vereinbar - ihnen wurden aber Güter als Lehen, vor allem im neu eroberten Slawenland, übertragen. Diese Rittergeschlechter hatten ihren Wohnsitz meist unmittelbar an der Elbe, der Stör oder den weniger fruchtbaren Böden entlang der Flüsse. Ihre Angehörigen waren zunächst nicht von Geburt an adelig, sondern dienten als Knappen, die sogenannten "armigeri", bis sie durch den Ritterschlag zu Rittern, den sogenannten "miles", erhoben wurden.

1282 und 1319

Für Berbeke, das heutige Mühlenbarbek, wird aus einer Urkunde aus dem Jahr 1282 (SHRU Bd. 2, Nr. 625) klar, dass die Brüder und Ritter Johann und Heinrich Kale die Abgabenrechte in Berbeke besaßen, die sie dann dem Itzehoer Kloster verkauften. Sie waren mit lukrativeren Ländereien im neu eroberten Osten belehnt worden und verkauften nun ihren Besitz in Altholstein. Die Familie Kale erscheint danach in Neuholstein, dem ehemaligen Slawenland, und erlischt im 15. Jahrhundert.

Die Tatsache, dass die Gebrüder Kale nur die Rechte an 10 Hufen verkauften, im Jahre 1319 (SHRU Bd.3, Nr. 386) jedoch 12 Hufen in Berbeke gezählt wurden, legt den Schluß nahe, dass die Brüder Kale in Berbeke eine Doppelhufe und Motte abgabenfrei bewohnten, die sie gesondert verkauften.

Rederus de Berbeke stammt aufgrund der Aussagen dieser Urkunden somit nicht aus Berbeke, sondern ist hier erst in diesem Zeitraum auf der Berbeker Motte ansässig geworden.

1339

Gerade im Hinblick auf die Herkunft der Ritter und Knappen ist die Rederus-Urkunde von 1339 (SHRU Bd. 3, Nr.1031) wissenschaftlich kritisch überprüft worden (Wilhelm Biereye: "Untersuchung zur älteren Geschichte des Adels in den holsteinischen Elbmarschen", ZSHG Bd. 64, S.128ff). Die dort als Knappen (armiger) bezeichneten Hartwig Urendorf, Thitbern Kreienfleth und Willekin Süderau entstammten dabei offensichtlich der wohlhabenden Bauernschaft und sind sehr bald wieder zur bäuerlichen Beschäftigung zurückgekehrt.Ihre soziale Stellung scheint durch den Ausdruck "Dorfpatrizier" oder "Bauernritter" (Dethleffsen: "Geschichte der holsteinischen Elbmarschen", 1891, Bd.1, S.111f) recht gut gekennzeichnet, man sucht sie aber vergebens im Gefolge des Landesherren. Es gab mithin fließende Übergänge, die sich der heutigen Forschung weitgehend verschließen.

Andererseits treten hier Rittergeschlechter mit den Familien Seveke, Campen, Beidenfleth und Hummelsfleth auf. Es ist aus heutiger Sicht plausibel, dass durch den Wegzug vieler Rittergeschlechter in das neu gewonnene Slawenland und den Blutzoll durch die Kriegswirren zur Zeit Gerhards des Großen und Johanns des Milden von Holstein der Bedarf an kriegerischen Unterführern die Einbeziehung wohlhabender Bauern notwendig machte.

Bemerkenswert ist nun, dass die Unterzeichner der Urfehden-Urkunde von 1339 mit Ausnahme von Thitbern und Reder aus Berbeke alle aus dem Bereich der Wilster Marsch (Beidenfleth, Uhrendorf, Kampen, Dammducht,Hummelsfleth) und der Kremper Marsch (Süderau und Kreienfleth) stammen (siehe nebenstehende Karte 1). Dies läßt nur den Schluß zu, dass Rederus ebenfalls der Elbmarsch entstammte!

1341

Auf eine verwandtschaftliche Herkunft von Redeus de Berbeke aus dem Bereich der Kremper Marsch lassen zwei weitere Urkunden von 1341 schließen (SHRU Bd. 4, Nrn. 13+17). Im Zusammenhang mit einem Verkauf von Zehnten-Rechten wird erwähnt, dass Thitbern als Sohn des Reder aus Berbeke Rechte am Zehnten in den bei Süderau gelegenen Gemeinden Sommerland und Grönland eingefordert hatte. Somit stammte Rederus de Berbeke aus der Kremper Marsch und hat über seine Familie Anspruch auf Rechte in Sommerland und Grönland erheben können!

Thitbernus 1148

Bei der Suche nach der Herkunft von Reder aus Berbeke kann auch die Führung von bevorzugten Vornamen in den mittelalterlichen Familien weiterhelfen. Das Vorkommen derselben Rufnamen oder wenigstens bezeichnender Gruppen von Rufnamen ist ein deutlicherer Hinweis auf Verwandtschaften als die Verschiedenheit von Zunamen, die lediglich den Wohnsitz bezeichneten.

Der für Holstein ungewöhnlich und seltene Name Thitbern weist eindeutig auf die Verwandtschft zu der in räumlicher Nähe ansässige Familie de Ho (Wilhelm Biereye: "Untersuchungen zur älteren Geschichte des Adels in den holsteinischen Elbmarschen", 1936, ZSHG Bd. 64, S. 106 ff ). Die älteste Erwähnung dieser Familie stammt aus dem 12. Jahrhundert: Unter den Kriegern "de numero Holzatorum" der Heilsbütteler Urkunde Heinrich des Löwen - verfasst im Heerlager unittelbar nach der gewonnenen Schlacht gegen die Dithmarscher - vom 13.09.1148(SHRU Bd.1, Nr. 88 und F.J. Westphalen: "Monumenta inedita verum germanicarum pr. cimb. et meg.", 1739, Bd. 2, S. 19f), die leider nur in einer mittelalterlichen Abschrift belegt ist, ist ein Thiedbernus de Ho aufgeführt. Der Wohnort Ho dieser Familie bezeichnet dabei das heutige Hodorf, 5 km westlich von Itzehoe an der Stör gelegen (Karte 2). Nach Biereye lassen sich aus der Führung des Names Thitbernus und der räumlichen Nähe der Wohnorte die verwandtschaftlichen Beziehungen erschließen. Rederus de Berbeke ist also ein Nachkomme der Familie de Ho aus Hodorf.

1293

Der eindeutige Hinweis auf den Vater von Rederus de Berbeke kann nur in der Antwort auf diese Schlüsselfrage gefunden werden: Wer konnte vor Rederus die Rechte in Sommerland und Grönland strittig beanspruchen und ist somit der wahrscheinliche Vorfahr von Rederus de Berbeke?

Glücklicherweise gibt es diesen Hinweis. In einer Urkunde vom 28.08.1293 (SHRU Bd. 2, Nr. 825) stellt Graf Johann von Holstein die Grenze zwischen dem Kloster Ütersen (das offenbar Grundbesitz im Dorf Horst hatte) und dem Dorf Schönmoor fest. Das Dorf Schönmoor liegt aber in unmittelbarer Nähe zu Sommerland und Grönland (siehe Karte 2). Titbernus de Hoo und seine Söhnen Titbernus und Marquard hatten dieser Urkunde zufolge Grundbesitz im Dorf Schönmoor und an dem Sumpfgebiet zwischen den Dörfern. Die Urkunde sagt eindeutig aus, dass die Grenzziehung in Sumpfgebiet ("Morast") erfolgte - offenbar wurde schon erkennbar, dass diese Gebiete später trockengelegt und nutzbar gemacht werden könnten. Es ist sehr gut verständlich, dass es um die Abgabenrechte an den neu entstehenden Höfen Streitigkeiten geben mußte, mithin auch zwischen Sommerland, Grönland und Schönmoor - denn zwischen ihnen erfolgte damals keine Grenzziehung. Heute gehören die Hälfte der Bauernhöfe in Schönmoor zur Gemeinde Sommerland, die andere Hälfte der Höfe jedoch zur Gemeinde Horst. Im Jahre 1307 (Schleswig-Holsteinische Urkundensammlung Bd. 2, Nr. 17) erscheint zum letzten Mal der holsteinische Ritter Titbern de Ho.

Für die Herkunft von Rederus de Berbeke lassen sich folgende Schlüsse ziehen:

Rederus de Berbeke entstammt der Kremper Marsch und ist ein Nachkomme der beiden Titbernus de Ho aus der Urkunde von 1293. Dies belegen die räumliche Nähe, die Führung der selben Vornamen in der Familie und der übereinstimmende Grundbesitz um die Dörfer Schönmoor mit strittigen Anrechten auf Abgabenrechte in Sommerland und Grönland!

28.08.1293: Graf Johann von Holstein legt die Grenze zwischen dem Dorf Schönmoor und dem Kloster Ütersen (Horst) her. Das Original befindet sich noch heute im Keller des Klosters Ütersen.

1363 Reder und Thitbern in Hodorf

Die Führung des Vornamens Rederus, der in der Elbmarsch aber auch bei keiner anderen Familie geführt wurde, läßt sich in der Familie de Ho zwar nicht durch Urkunden belegen. Am 31.10.1363 (SHRU Bd.8, Nr. 60 und SHRU Bd. 9, Nr. 38) kauft aber ein Reder Haleken in Hodorf den heute im Ortsteil Hörn gelegenen Hof 677 (Zählung nach Johannes Gravert "Die Bauernhöfe der Kremper- und Kollmar-Marsch, 1929). Sein Bruder ist Erpe Haleken. Den Hof aber überträgt er später an seinen Sohn Marquart Reder, der wiederum an seinen Sohn Claus Reder (der hier 1482 erwähnt wird, weswegen wir annehmen müssen, dass hier tatsächlich zwei Claus Rehder hintereinander Hofbesitzer waren, dies dem Chronisten aber entgangen ist), der wiederum an seinen Sohn Marquart Reder, der wiederum an seine Tochter Silen Dorn. Das Entstehen des Familiennamen Rehder in der Elbmarsch ist somit allein im Dorf Hodorf belegt, mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich auch hier um Nachkommen des Titbern de Ho.

In der Urkunde vom 31.10.1363 taucht daneben auch zum letzten Mal der Vorname Titbernus auf, nämlich im Namen eines Zeugen "Dickberne Toner", der noch vor dem anverwandten Alberde van der Wisch erwähnt wird und somit noch näher mit den Gebrüder Haleken verwandt ist. Belegt ist hier das in der Elbmarsch einzigartige Vorkommen der mittelalterlichen Vornamen Rederus und Titbernus im Jahr 1363 im Dorf Hodorf. Auch dies ist eine zusätzliche Bestätigung der Herkunft von Rederus aus dem Dorf Hodorf!

1453

An einer Urkunde vom 20.03.1453 (SHRU Bd.9, Nr. 61) hängt noch heute das Siegel von Hinrick Touer - es ist das einzig erhaltene Siegel der alten Familie de Ho. Obwohl es stark abgerieben ist, kann man doch erkennen, dass es das selbe Siegelbild wie die Familie de Prato/ de Wisch hat, nämlich den aufsteigenden Wolf. Die Verwandtschaft der Familie Touer zu der Familie De Ho/ de Prato /de Wisch ist somit auch heute noch nachweisbar!

1500

Auch die Verwandtschaft der Familien Haleken und Rehder in Hodorf ist uns glücklicherweise überliefert: Im ältesten Einwohnerverzeichnis des Kirchspiels Heiligenstedten findet sich der Eintrag: "30. Reder Haleken / Gyle uxor / Marquardt haleken sulff / drudde suster unde Broder / Clawes Reder. Ide uxor " Es handelt sich also um Verwandte dritten Geschwistergrades! (ZSHG, Bd.25)

Der Geburtsort von Rederus

Nach Gravert wird der Hof 680 (der sog. "Breitenburger Hof") als Wohnort der Familie von Thiedbern de Ho 1148 bezeichnet. Im Jahr 1340 wird dieser Hof besessen von Marquard, Detlev und Otto Schacht (,den Söhnen des Johannes auf Blumental und der Alheydes, Besitzer von Klein Harrie). Treffen diese Angaben zu (hierfür spricht die abweichende Abgabenpflicht an die Breitenburg), so stammt Rederus von diesem Hof in Hodorf und wurde hier geboren. Der Hof von Reder Haleken liegt in Sichtweite etwa 400 m weiter nördlich.

Siegel und Wappen

Übereinstimmende Siegel, insbesondere mit einem kennzeichnenden Wappenbild, können die Verwandtschaft von Familien erhellen.

Von den jüngeren Herren de Ho (der Familie Schacht) ist ein Wappen aus Wagrien von 1360 bekannt, dass einen aus dem Schildfuß aufsteigenden Zweig mit drei runden kleeblattartig gestellten Blättern zeigt (Milde, S.75, Tafel 8, Nr. 115). Von dieser Familie wird auch ein Wappen genannt, dass in Blau einen balkenweise mit dem Kopf nach rechts gelegten silbernen Fisch zeigt (M. Kahlke: "Die Wappen der alten Bauernfamilien in den holsteinischen Elbmarschen."). Von der älteren Familie de Ho - unseren Vorfahren - sind mit Ausnahme des Siegels von Hinrik Touer 1453 leider keine Wappen oder Siegel überliefert. Die Familie scheint aber das gleiche Wappen und Siegel wie die Famlie de Prato/ de Wisch geführt zu haben. Dieses Siegel wurde in der Rederus-Urkunde von 1339 auch von den beiden Knappen Dietrich Beynfleth und Peter Plate geführt.

Verblüffend ist aber die Ähnlichkeit der Siegel von Hinrich de Rodensande 1350 und von Marquardt de Rodensande von 1367 (SHRU Bd.4, Nr. 1215) zu den Siegeln von Rederus und Thitbernus de Berbeke. Rodensande liegt bei Eutin in "Neuholstein".Das gleiche Siegel findet sich auch bei der Familie Gudow (Milde), ebenfalls in Neuholstein. Eine verwandtschaftliche Beziehung ist möglich aber bei einem solch einfachen Siegel nicht zwingend.

Die Pest und der Niedergang des Rittertums

In den Jahren 1348/50 und 1360-62 wütete die Pest (die Beulen- und die Lungenpest) in Holstein. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung verstarben, vornehmlich die Kinder. Ritter und Adel verarmten, da weite Teile des Bauernlandes wüst waren und keine Abgaben mehr geleistet werden konnten. Wie die Domherren von Schleswig jedoch feststellten war der eigentliche Tiefpunkt der Bevölkerungsentwicklung erst um das Jahr 1440 erreicht, da ja vor allem die Kinder früh verstarben.

Darüberhinaus erlitten nach veränderter Kriegstechnik (Langbogen aus Eibenholz) die berittenen und gepanzerten Ritterheere vernichtende Niederlagen durch die Fußsoldaten und wurden durch Sölnerheere ersetzt. Die Ritter - die als "Panzerreiter" im 8. Jahrhundert in der Armee Karl Matells ihren Anfang nahmen und im Zeichen der Minne und der Turniere in Frankreich ihren Höhepunkt hatten - gingen im Brigantentum (Raubrittertum) zugrunde, fielen in das Bauerntum zurück oder gingen in den Dienst- oder Grundadel über.

Das Ende der Seveken 1342

Um dem Brigantentum ein Ende zu bereiten hatten sich die Hansestädte 1338 zu Bildung eines schlagkräftigen Söldnerheeres von 1.400 Mann entschlossen und hoben die Raubnester aus. So wie die Raubritter-Bande der Gebrüder Seveken, wurden zahlreiche andere auch festgesetzt und gegen den Schwur der Urfehde (den Verzicht auf Rache) freigesetzt. Wir wissen jedoch von anderen Fällen (Louis Bob'e: "Die Ritterschaft in Schleswig und Holstein", S.35), dass darüberhinaus die jeweiligen Ländereien zum großen Teil als Pfandgüter ausgeliefert und mit eigenen Mitteln später wieder eingelöst werden mussten. Dazu waren sicherlich nicht alle in der Lage, und so bedeutete dies für viele den wirtschaftlichen Ruin - Insbesondere für die Gebrüder Seveken, die 1339 mit ihren Anhängern Urfehde schwören mussten.

1340 müssen die Gebrüder Seveken nach dem Tod ihres Vaters Hinrich Seveken das elterliche Gut Lutteringhe, das an der Stör bei Münsterdorf neben dem Mönkehof (der späteren Breitenburg) gelegen hat, verkaufen.

Zumindest Heydenrich hat aber die Urfehde danach wieder gebrochen und wurde erneut gefangen genommen. So erfolgte eine erneute "Urfehde der drei Brüder Heydenrich, Helrich und Detlev Seveken, Knappen, wegen der hamburgischen Gefangennahme des Heydenrich und ihres Verdachtes auf Wegnahme von Tuch". Danach wird die Familie nie wieder erwähnt und erlischt. (Erich von Lehe: "Ritterliche Fehden gegen Hamburg im Mittelalter" in Hamburger geschichtliche Beiträge).

Auf dem Hof der "de Ho" werden im Jahr 1340 zum ersten Mal die Gebrüder Marquard, Detlev und Otto Schacht als Besitzer erwähnt, die sich fortan den Beinamen "de Ho" beifügen. Das Rittergeschlecht de Ho , das älteste in Holstein, verarmte in den Bauernstand hinein.

Hartwig Uhrendorf, Thitbern Kreienfleth und Willeken Süderau werden nach 1339 nur noch als Bauern erwähnt und dies nur bei Landverkäufen.

Sämtliche Mitglieder der Bande um die Brüder Seveken 1339 scheinen dem wirtschaftlichen Ruin verfallen gewesen zu sein und erscheinen nicht mehr in der holsteinischen Ritterschaft. Der Landfrieden hatte gesiegt!

Kaum glücklicher war zunächst die Familie de Wisch, die sich auf der Seite Hamburgs verdingt hatte. 1340 wird Otto de Wisch zusammen mit zwei anderen Knappen im Solddienst für Hamburg im Kampf gegen die Raubritter getötet. 1384 haben die Brüder Henneke und Clawes van der Wisch eine Fehde mit Hamburg auszutragen, die einen uns nicht überlieferten Ausgang nimmt.

1439 Gut Ho

Claus von der Wisch, Verbitter des Kloster Bordesholm, Gutsherr in Gelting und Mitglied im Landesrat der Ritterschaft, erwirbt 1439 das Gut Ho zurück und lieferte damit einen letzten Beleg seiner Abkommenschaft von den de Ho auf diesem Gut. Sein Sohn Wulf von der Wisch erweitert es um den Rundhof (bei Krempe am Itzehoer Steindamm, 1866 abgebrochen), der offenbar eine solche Größe und Bedeutung erlangt hatte, dass er bei den Landesteilungen gesondert dem königlichen Anteil zugeschlagen wurde.

Siegel Gerhards des Großen
Ausschnitt aus dem "Sachsenspiegel", ca. 1220

1227 Schlacht bei Bornhöved Schlacht bei Bornhöved am 22. Juli 1227

Dieses Siegelbild aus Holstein vermittelt einen guten Eindruck vom Aussehen einer Turmhügelburg oder Motte (eigentlich aus dem französischen "chateau a motte").
Karte 1: Die Herkunftsorte der Raubritter in der Urkunde von 1339: Auffallend ist, dass außer Rederus und Thitbernus de Berbeke alle aus den Elbmarschen entlang der Stör stammen. Dies ist ein bedeutender Hinweis auf die Herkunft von Rederus.
Karte 2: Eine weitere Urkunde von 1341 erwähnt Rederus und Thitbernus de Berbeke im Zusammenhang mit Rechten in Sommerland und Grönland. 1293 ist Titbernus de Hoo im Grundbesitz um das Dorf Schönmoor.1148 wird Thitbernus de Ho (Hodorf) erwähnt.
Das Siegel von Marquardt de Rodensande 1367 (rechts), dass dem Siegel von Rederus und Thitbernus de Berbeke 1339 (links) verblüffend gleicht.
Topfhelm, 13. Jahrhundert Topfhelm aus dem 13. Jahrhundert

Normannenangriff auf eine Motte  (Teppich von Bayeux 1070) Darstellung einer Motte , Teppich von Bayeux 1070

Heinrich der Löwe Heinrich der Löwe, Herzog von Baiern und Sachsen. (1129-1195)

Wendenkreuzzug 1147, 1158,1160,1163, 1167 Italienzug 1154/55, Zug gegen Mailand 1159-61 Wallfahrt nach Jerusalem und Byzanz 1172/73 und Santiago de Compostela 1182

Das Dorf Schönmoor: Titbernus de Ho und seine Söhne Titbernus und Marquard hatten 1293 Besitz in Schönmoor, als dessen Abgrenzung im Sumpfgebiet zu Horst erfolgte. 1341 erhob Thitbernus de Berbeke Ansprüche auf Zehnten in Sommerland und Grönland .
Hodorf: Hof Nr. 680 war der Wohnort von Thiedbernus de Ho in 1148, Hof 677 wurde 1363 von Reder Haleken erworben und hier wurde der Familienname Rehder angenommen.

Die Umweltkatastrophe um 1300

Um 1100 waren rechts und links der Stör die Motten der Rittergeschlechter aufgereiht, umgeben von alten sächsischen Dörfern. Der Grund hierfür ist heute unbekannt, jedoch steht fest, dass gerade diese Rittergeschlechter von der Stör die Ahnherren der meisten Rittergeschlechter in den Herzogtümern Schleswig und Holstein wurden! Erst im Zeitraum 1100 bis 1250 waren die klimatischen Bedingungen so günstig geworden, dass die dahinterliegende Störmarsch trockengelegt und insbesondere von holländischen Siedlern erschlossen werden konnte.

Die Elbmarsch ist wegen des Kleibodens zwar fruchtbar, jedoch stark durch Sturmfluten gefährdet, da das Land teilweise unter Normal Null liegt. Die frühen Deiche waren als Überlaufdeiche angelegt und nur ca 1 m hoch - unter Hinnahme einer begrenzten Überflutung sollten sie das Land vor Sturmfluten schützen. Die Häuser wurden zum Schutz auf Warften angelegt. Erst mit dem Trockenlegen der Sumpfgebiete sackte das Land weiter ab und verheerende Sturmfluten kamen auf.

Als erstes belegt ist die "Julianenflut" von 1164, 1219 folgte die "Marcellusflut". 1362, unmittelbar nach der zweiten schweren Pestepedemie, folgte die "Große Mandränke" mit den historisch schwersten Schäden. Seither mußten von den hinter den Deichen liegenden Höfen erhebliche Lasten getragen werden, um die Deiche schließlich bis zur heutigen Höhe von 9,50 m zu erhöhen. Diese Deichlasten machten das Land direkt hinter dem Stördeich teilweise wertlos und führten zur Verarmung der Bauern.

Hinzu kam ein dramatischer Klimawandel. Um 1100 bis 1300 herrschten durchschnittlich um 1,5°C höhere Temperaturen als heute. Die Landwirtschaft blühte, in England gedieh der Weinbau, Grönland war "grün" und eisfrei (Zeno-Karte von 1380). Selbst die Antarktis war eisfrei und wurde als Landmasse kartographiert (die auf älteren Karten erstellte Piri-Reis-Karte von 1513). Dann kam um 1300 der Klimaumschwung. Von 1300 bis 1700 erlebte Europa eine "kleine Eiszeit". Schon 1303 und dann wieder 1306/07 fror die Ostsee zu.Die Sommer brachten starke Regenfälle, so ist insbesondere das Jahr 1315 durch unaufhörliche Regenfälle geprägt gewesen. Hungersnöte waren die Folge.

Piri-Reis-Karte 1513 link zur Piri-Reis-Karte
Zeno-Karte 1380 link zur Zeno-Karte

 

Thiedbernus de Ho 1148

tritt in der Urkunde als Zeuge auf und als ein Führer aus dem holsteinischen Aufgebot, der "virtus holzatorum". Von der Organisation und Einteilung des holsteinischen Heeres ist lediglich bekannt, das es unter der Führung des "overboden" stand. Offenbar bekleidete aber Thiedbernus als Führer eines Teilaufgebotes des Heeres ein erbliches Amt, dessen Namen unbekannt ist.

Dieser gehobene Geburtsstand mit daran geknüpften Rechten und Pflichten ist ein Hauptkennzeichen des Adels, daher wurden sie in den lateinischen Urkunden auch mit "nobiles" benannt. Nach Biereye ist damit für die Herren "v.Ho erwiesen, dass sie dem Adel angehörten.." (ZSHG 64, S. 115).

Die Familie de Ho

Nach Biereye (ZSHG 64) gehören zum Geschlecht de Ho auch Thitbernus de Prato (1220), Thitbernus de Wakenbeke (1221), dessen Söhne Detlev (1269) und Nikolaus de Wakenbeke, Siricus de Prato (1220-1250 mehrfach erwähnt), Marquard de Prato (1257 und 1260 als Itzehoer Ratsherr erwähnt). Zuletzt erwähnt werden Eler de Ho als Vogt in Krempe (1306) und der Knappe Detlewus de Ho (1317). Um etwa 1320 ist die Familie erloschen. Ursache ist vermutlich der verlustreiche Krieg gegen Dithmarschen 1319. Belegt ist der Tod vieler Mitglieder der verwandten Familie Pogwisch. In der Schlacht aber kämpften (und starben) die verwandten Familien wie die der de Ho, Pogwisch, de Wysch und Wulff neben einander. Im Jahre 1340 werden die nicht mit der Familie de Ho verwandten Gebrüder Otto, Detlef und Marquard Schacht als neue Besitzer der Liegenschaften der de Ho auch mit dem Beinamen "de Ho" erwähnt (Westphalen 2, S.144). 1439 kauft Claus von der Wisch das Gut Ho zurück, sein Sohn Wulf von der Wisch vergrößert es zum "Rundhof" (bei Krempe). In den Rechnungen des Klosters Itzehoe wird der Ort noch bis 1610 unter den Namen "tome Hoo", "thom Ho" und "thom Hoe" genannt, danach aber mit dem heutigen Namen Hodorf benannt. Hoe oder Ho stammt dabei aus dem altsächsischen Wort für "Haken" oder "Biegung" (vergleiche auch Itzehoe, Springhoe, Nordhoe und in England "Sutton Ho").

Der Bedeutung des Familiennamens "Rehder"

Der Vorname Reder, oder in seiner lateinisierten Form rederus, taucht in Holstein zum ersten Mal bei Rederus de Berbeke 1339 und auch in anderen Landschaften Altsachsens erst ab 1230 auf. Die Entstehung des Namens wird in der Fachliteratur meist aus dem Vornamen "ratherus", der in seiner wörtlichen Bedeutung etwa mit "Rat des Heeres" übersetzt werden kann, abgeleitet. Gesichert ist indes nur die Herkunft aus dem altsächsischen, da der Familienname nur in Altsachsen entstanden ist.

Bemerkenswerterweise ist es gerade der König von Dänemark, der in einer seiner ersten Urkunden nach seiner Einsetzung als Herzog von Schleswig-Holstein die eigentliche Bedeutung unseres Famliennamens erhellt. Waren nämlich bis 1460 fast alle Urkunden in Latein verfasst, so war es gerade seine Kanzlei, die offenbar sehr um eine strikte Abfassung der Urkunden in Niederdeutsch, das sich aus dem altsächsischen entwickelt hatte, bemüht war, um die Akzeptanz insbesondere durch die holsteinische Ritterschaft zu verbessern.

Rehder

= Ritter

"Wy Christiernn van godes gnaden to dennemarcken, Sweden, Norwegen der Wenden und gotten Königh, hertich to Slesswick greve to Holsten, Stormarn, oldenburgh unde delmenhorst, bekennen unde betügen ... , dat wy na rade unser Reder umme veles Swares mercklikers Denstes willen, ..." (Urkunde von 1460)

Wir Christian, von Gottes Gnaden zu Dänemark, Schweden, Norwegen der Wenden und Goten König, Herzog zu Schleswig, Graf zu Holstein, Stormarn, Oldenburg und Delmenhorst, bekennen und bezeugen ..., dass wir nach Rat unser Ritter um vielen schwer möglichen Dienstes willen, ...

J.F. Westphalen: "Monumentum inedita verum germanicarum, praecique cimbricarum et megapolensium" Leipzig 1739-1745, Bd. 2 - tomus II, S. 436

Auch in weiteren Urkunden wird für Ritter der niedersächsische Begriff Reder verwandt, so wird 1488 Hinrich Rantzau benannt: "Hinrick Ranssowen, amptman tor Stenburgh, Redere". Die Bedeutung des Familiennamen Rehder ist daher "Ritter".

Die Kreuzzüge (1189 - 1198)

Aus Lust an Kampf und Abenteuer schloss sich Graf Adolf III von Holstein dem Kreuzzug von Kaiser Friedrich Barbarossa an. Dabei führte er über hundert Ritter mit sich in den Kampf. Da sein Hauptheer aus der Störmarsch rekrutierte und die Ritter de Ho ein erbliches Führungsamt innehatten, waren auch sie zahlreich daran beteiligt. Sie waren dabei, als am Sonntag, dem 10. 06. 1190 Kaiser Barbarossa im Saleph ertrank und sich das Heer in Antiochia und Tyrus auflöste. Auf dem Seeweg ging es zurück in die Heimat.

Am Kreuzzug des Nachfolgers Kaiser Heinrich VI 1197/ 1198 nahm Graf Adolf III sogar mit einem noch größeren Ritterheer teil und gehörte mit Herzog Friedrich von Österreich und dem Bischof von Passau zum Führungszirkel des Heeres. Adolf III und seine Ritter vereinigten sich im August 1197 in Sizilien mit dem Kreuzzugsheer. Noch im selben Jahr nahmen sie an der Krönung des Königs von Zypern in Nikosia teil und fochten in Syrien in der Schlacht von Sidon mit. Graf Adolf III ging dabei als Held aus dem Gefecht, legte mit seinen Männern dem berüchtigten Piraten und Statthalter von Beirut, Usama, einen Hinterhalt und streckte diesen eigenhändig nieder.

Im darauffolgenden Jahr beteiligten Adolf III und seine Ritter sich an der erfolgreichen Belagerung der an der Straße von Akkon nach Damaskus liegenden Burg Toron. Kurz vor ihrer Heimreise nahmen sie noch an der Gründung des Deutschen Ordens in Akkon teil.

In der Heimat verließen Adolf III und seine Ritter dann das Kriegsglück und in der Schlacht bei Stellau 1201 ging ganz Holstein an den dänischen König verloren. Erst 1227 sollte sein Sohn Adolf IV mit Hilfe eines Ritterheeres, das er an der Stör bei Itzehoe gesammelt hatte, das Land Holstein wieder zurückgewinnen.

Die Teilnahme der Ritter de Ho an den Kreuzügen ihres Grafen Adolf III in Syrien ist auch durch die Namensgebung des Syricus de Prato (pratum ist das lateinische Wort für Wiese, niederdeutsch Wisch) dokumentiert. Er wird 1220 - 1250 als Consul und Ratsherr in Itzehoe erwähnt.

 

Das Herzogtum Sachsen bis zum Sturz Heinrichs des Löwen 1180.
Motten in Holstein wurden aus Holzstämmen errchtet und hatten einen Lehm- Fußboden.

Sächsische Ritter waren über einer gepolsterten Ledertunika mit einem Kettenhemd geschützt, das Nacken, Ellenbogen und alle Gelenke schützte. Über diesen Panzer streifte man ein ärmelloses Wams, das das Wappen trug. Der Helm war zunächst offen und mit dem typischen Nasenschutz versehen. Schon ab 1200 hat sich der geschlossene Topfhelm durchgesetzt wie er in den Bildnissen von der Schlacht bei Bornhöved 1227 (siehe oben) dargestellt ist. Das Schild wurde noch bis 1200 in der Form des Normannenschildes wie in der oberen Darstellung getragen. Später wurde das Schild wesentlich kleiner (wegen der besseren Bewegungsfreiheit) und wurde in der holsteinischen Ritterschaft mit dem holsteinischen Nesselblatt als Erkennungszeichen in der Schlacht bemalt.

Die Privilegienlade der Schleswig-Holsteinischen Ritterschaft:

In den rechts sichtbaren Feldern auf dieser Truhe aus dem Jahr 1504 finden sich sie Wappen der Familien Pogwisch und von der Wisch, deren Wappen auch mit dem der Familie Wulff und dem der Stammfamilie de Ho identisch ist. Im blauen Feld ist ein silberner (zuweilen auch andersfarbiger) Wolf zu sehen - der "hungrige Wolf".

Noch 1599 (nach Angelus) hatten die Familien Wisch, Pogwisch und Wulff 28 Manneserben und saßen auf 18 Schlössern und Höfen. Der Dreißigjährige Krieg hat dann aber fast alle alten Rittergeschlechter in Schleswig-Holstein ausgelöscht. So vermerkt der dänische Staatsminister J.A. Kielmann von Kielmannsegg um 1670 am Rand einer im Kopenhagener Archiv noch heute erhaltenen Ausgabe von Dankwerths Landesbeschreibung (von 1652), dass die Pogwisch und Wulff gänzlich ausgestorben seien, von den Wisch lediglich ein Manneserbe noch am Leben sei. Die Ritterschaft wurde folgerichtig auch verfassungsrechtlich entmachtet.

REHDER in BARBEK

In Berbeke, dem heutigen Mühlenbarbek, ist die Familie seit etwa 1320 ansässig und damit die älteste Familie im Dorf. Die erste Erwähnung nennt 1339 Reder und seinen Sohn Thitbern als Raubritter auf der Motte in Berbeke. Der Name Reder bedeutet dabei im Altsächsischen 'Ritter'und wurde in der Folgezeit auch in diesem Teil der Familie in Erinnerung der Abkommenschaft von den alten Rittern Thitbern de Ho als Familienname angenommen.

19. Juni 1339 : Die Gebrüder Zeuneken und Genossen, darunter Thitbernus und Rederus de Berbeke, schwören dem Hamburgern und Rostockern Urfehde. Nach den erfolgreichen Kreuzzügen gegen die Wenden wurden viele sächsische Ritter zu Raubrittern. Die Urfehde bedeutete einen erklärten Waffenstillstand. Die Raubritter wurden aber fast aller ihrer Besitzungen und Güter entledigt - der private Konkurs.

Rehder als Bauern in Mühlenbarbek

Mit dem Schwur der Urfehde 1339 verloren Rederus und sein Sohn sämtliche Abgabenrechte, insbesondere in der Kremper Marsch. Aus den Bauernrittern wurden nun reine Bauern. Um 1400 wurde der Name Reder als Familienname angenommen, bald auch in der Schreibweise Rehder, da im Niederdeutschen die Sprache sich zu längeren Vokalen veränderte.

1520

Nach 1341 wird Berbeke bis 1520 in keiner Urkunde erwähnt, wir erfahren rein gar nichts über seine Einwohner und die Familien. Der Name Berbeke taucht lediglich als Familienname auf: 1390 Hasso Berbeke in Hollerwettern, 1444 in Lübeck, 1464 Hans Berbeke in Wewelsfleth und 1469 Claus Barbeke in Itzehoe. Aber über das Dorf selbst und seine Bewohner erfahren wir nichts.

Im Jahr 1520 werden zum ersten Mal alle Bauern in Mühlenbarbek in einer Abgabenliste erfasst. Auf dem Hof der ehemaligen curia (im Deutschen auch Motte genannt) wird Hans Rehder als Besitzer genannt (Hof I im Lageplan). Mit großer Wahrscheinlichkeit ist somit der ca. 1490 geborene Hans Rehder der Nachfahre von Rederus. Auf diesem Hof wird der Name Hans Rehder bis 1590 geführt.

Auf dem im Lageplan bezeichneten Hof II erscheint bis 1617 ein Hans Wolders als Besitzer. Ab 1591 erscheint auf dem Hof I Hans Wolders senior (Olde Hans Wolders) als Besitzer. Ab 1617 erscheint unser Vorfahr Hans Rehder (geboren um 1590) zum ersten Mal als Besitzer von Hof II und Nachfolger vom dortigen Vorbesitzer Hans Wolders. Auf dem Hof I wird weiter der Besitzername Hans Wolders geführt. Offenbar wurden hier innerhalb zweier verwandter Familien die Höfe getauscht, möglicherweise weil der letztmalig 1590 auf dem Hof I erwähnte Hans Rehder früh verstorben war und der Schwiegervater den Hof bis zur Mündigkeit des Sohnes weiterführte. Hierfür spricht auch die Dauer des Übergangs, denn die Volljährigkeit wurde erst mit 25 Jahren erreicht. Hof II wurde bis 1868 von der Familie Rehder bewohnt. Hof III seit 1742 und noch bis heute. Auf einem anderen Hof wurden von 1520 bis 1617 Jacob Rehder und Peter Rehder genannt, deren Verwandtschaft aber im Dunkeln bleibt.

1627

Der Dreißigjährige Krieg traf Mühlenbarbek und seine Einwohner schwer. Juli / August 1627 zogen Wallenstein und Tilly mit 30 bis 40.000 Soldaten zur Belagerung von Krempe, Glückstadt und der Breitenburg durch das Dorf. Das man durch feindliches Gebiet zog, kam es zu Plünderungen, Fouragierungen, Requirierungen und entsetzlichen Gräueltaten. Den Bauern und ihren Familien blieb nur die Flucht oder das Verstecken in den umliegenden Wäldern.

1643

1643 wurde Mühlenbarbek durch die durchziehenden schwedischen Truppen unter General Torstensen vollkommen eingeäschert (bei Ausgrabungen im Dorfkern 1825 wurden überall Aschenreste entdeckt). Aus dem gesamten Dorf konnte für Jahre keine Steuer mehr eingenommen werden.

1657

Im sog. Polackenkrieg 1657 wurde das Dorf wiederum von schwedischen Truppen durchzogen. Sie richteten nochmals horrende Schäden an und äscherten danach auch Itzehoe vollkommen ein.

1712

Im Großen Nordischen Krieg zogen wiederum schwedische Truppen unter dem General Stenbock durch das Dorf. Es kam zu hohen Kontributionen.

1657 berichtet der Müller von Mühlenbarbek: "Die Schwedischen sind von Fuhlsbüttel gekommen, haben ihren Marsch über Elmshorn nach Kellinghusen genommen. Hier am 5. August angelangt und der Stab allda gestanden habe ich nicht nur mit Weib und Kindern von der Mühle, sondern auch von meinem Hausstand an einen sicheren Ort retirieren müssen, da dann die Mühle von den Schwedischen scholieret und verdorben worden ist. Hausstand weggenommen. Schaden 534 Mark lübsch. Wie denn auch zu dieser Zeit meinem Müllerknecht von einem blutdürstigen Polacken der Kopf mitten entzwei gehauen, so dass er sofort zu Boden gesunken und tot geblieben. ...."

Wie ein Insektenschwarm fiel die marodierende Soldateska über das Dorf her und raubte alles, was nicht niet- und nagelfest war. Während alle Frauen, derer man habhaft werden konnte, geschändet wurden, wurden den Bauern mit jeder erdenklichen Folter die Besitztümer abgepresst. Das größte Grauen erzeugte der "Schwedische Trunk". Die Soldaten spreizten ihren Opfern mit einem Rohrlöffel den Mund auf und füllten schmutziges Wasser oder gar Jauche bis zum Überlaufen hinein. Dann sprangen sie auf die berstenden Leiber und trieben die stinkende Brühe wieder heraus. Wer es überlebte, sollte es Zeit seines Lebens nicht mehr verwinden können.

 

1918

Noch einmal sollte ein schwedisches Schwert aus dem Dreißigjährigen Krieg ein Opfer in Mühlenbarbek fordern. Nach dem Ersten Weltkrieg waren viele ehemalige Soldaten auf Einbruchstour im Dorf. In der Nacht des 22.10.1918 wurden von Claus Rehder und seinem Vater Paul Rehder zwei "Fahnenflüchtige" beim Einbruchdiebstahl gestellt. Claus Rehder wurde von einem der beiden mit einem Messer an der linken Hand verletzt. Trotzdem konnte er den Flüchtenden verfolgen und erneut stellen. Dabei hieb er ihm mit einem alten schwedischen Schwert über den Rücken, so dass dieser noch in der Nacht verstarb. Das Schwert wurde 1945 von einquartierten englischen Soldaten mitgenommen.

1848 - 1851

An der schleswig-holsteinischen Erhebung nahmen mehrere Rehder als Freiwillige teil. Weil die Loslösung von Dänemark schließlich scheiterte, wanderte Claus Rehder aus Winseldorf 1852 nach Brasilien aus und gründete dort eine neue zahlreiche Familie.

Die Bindung an den dänischen König geht jedoch auf das Jahr 1460 zurück und unsere Rehder als Soldaten in der Armee Schleswig-Holsteins hätten wohl nicht schlecht gestaunt, wenn sie erfahren hätten, dass gerade ihre Verwandten maßgeblich daran beteiligt waren. Als Ratgeber des dänischen Königs und wahlberechtigte Ritter im Landesrat waren es gerade die von der Wisch und Pogwisch, die seine Wahl vorantrieben. Sie taten dies aus eigenem Interesse, denn der dänische König hatte aus Geldnot bei vielen holsteinischen Rittern Kredite genommen und dafür ganze Ämter in Schleswig zum Pfand gegeben. Schließlich verkündete am 2.3.1460 ein weiterer Verwandter, der Schleswiger Bischof Nikolaus Wulff vom Rathaus zu Ripen mit lauter Stimme die Wahl Christians I von Dänemark zum Herzog von Schleswig und Grafen von Holstein und Stormarn. Als Gegenleistung sollten die Lande ewig zusammenbleiben - dieses Versprechen sollte sich erst mit der Eroberung durch Preussen und Österreich 1864 erfüllen.

1864 bis 1867 waren Mühlenbarbek und seine Rehder Österreicher, danach bis 1945 Preussen.

1850

Hans Rehder, Mühlenbarbek, im 2.Dragonerregiment der schleswig-holstein. Armee.

Wappen der Familie Rehder aus Mühlenbarbek

Claus Rehder (1896 - 1979)
1887 bis 1891 diente Paul Rehder im Leibgarderegiment des Kaisers in Potsdam. Auf dem Bild ist er ganz links abgebildet, im Hintergrund ist das Neue Palais, das kaiserliche Schloß, zu sehen.

1695 Johann Rehder

1780 Paul Rehder

1852 Paul Rehder